Ich schreibe so lange, wie der Leser davon überzeugt ist, in den Händen eines erstklassigen Wahnsinnigen zu sein.
Stephen King
 
 
Ruhelos liegt sie in ihrem Bett. Der kalte Wind bläst durch ihr Fenster und bringt das kleine Mobile zum klingen. Irgendwo da draußen fährt ein Krankenwagen die Straße entlang. Sie nimmt es kaum wahr. Sie zählt nur angestrengt die Sekunden. 50...51...52... Wie lange würde sie es wohl noch durchhalten? 67...68...69... Plötzlich springt sie auf und läuft zum Schrank. kurz davor dreht sie sich wieder um. Mit Tränen, die fast schon aus Verzweiflung kommen kehrt sie zurück in ihr Bett und wickelt sich fest in die decke ein. Ihre Hände klammern sich an den bettpfosten, drücken so fest zu, dass die Fingerspitzen weiß werden. Doch es Hilft nichts. All ihre Gedanken kreisen noch immer nur darum.
Wieso auch nicht? Ich will es. Ich brauche es!!! Doch da fällt mein Blick wieder auf den Kalender, der direkt neben mir hängt. Da ist der ganze Monat grün angestrichen. Und der Monat zuvor auch. Und der davor zur hälfte. so lange schon geschafft. Hatte durchgehalten. ich lag so oft in meinem Bett, genau wie jetzt und quälte mich. Manchmal wartete ich nur darauf, das der große Zeiger meiner kleinen Armbanduhr endlich die 12 Überschritt, und ich dann den grünen Stift auspacken durfte.
Manchmal fiel es mir Tagelang auch gar nicht schwer.
All diese Gedanken sollten mir helfen, es nicht zu tun. Das sagte zumindest einer aus dem Forum. Aber was hat der schon für eine Ahnung. Was wusste er wohl, wie es in mir aussah? Nichts wusste er. ich bin allein.Einsam. Und doch hatte ich diesen kleinen Lichtblick, wusste ich, was mir immer geholfen hatte, was mir immer helfen würde, auf was ich mich stehts verlassen konnte.
Plötzlich merkte ich ein Stich in meinem Herz. Ein tiefer schluchzer kam aus meinem Bauch, bahnte sich den weg über meine lippen und lies mich erzittern. Eine einzelne Träne floss über meine Wange. ich schlug gegen die Wand. das kissen, den bettpfosten...
Und dann stand ich endlich auf. Meine Beine zitterten, und ich drohte, einzuknicken. mir war kalt. Und doch so heiß. War es der Zwang? Die Qual? Oder die Vorfreude, was mich so heftig erzittern ließ? Oder war es das Verlangen? Ja, dass musste es sein, Freude und verlangen.
Langsam, fast schon andächtig lege ich die wenigen Schritte zu meinem Schrank zurück und öffne die unterste Schublade. Da lag noch alles. Wartete auf mich. Es war immer da, wenn ich es brauchte. Immer!Nun dachte ich nicht mehr an die Folgen, oder an die Vergangenen Monate. Nun dachte ich überhaupt nicht mehr. ich tat nur noch, was mein Herz (oder mein Körper?) verlangte.
Mit allem was ich brauchte, kehrte ich zurück zu meinem Bett und setzte mich im Schneidersitz auf mein Kissen. Die Beine zugedeckt und das Licht gedimmt starrte ich auf das kleine silbrige etwas in meiner Hand. Die Taschentücher lagen neben mir.
ich setzte die Klinge an. Weit oben, am Oberarm. Dass erste mal ließ ich sie nur langsam und ohne Druck über meine Haut gleiten. die Hände zitterten und ich fühlte mich, als müsse ich gleich heulen. Aber ich konnte nicht. Plötzlich zog sich wieder alles in mir zusammen, und ich drückte einmal fest zu. ich fuhr den Arm entlang und schloss die Augen dabei. ich fühlte, wie ein kleiner Teil der Haut aufriss. Und dann spührte ich es endlich. Das Blut, dass langsam den Schnitt ausfüllt, ein Tropfen bildete und dann zärtlich den Arm hinunterlief. ich Atmete tief durch, nahm ein Taschentuch und wischte sanft das Blut ab, setzte die Klinge erneut an und schnitt wieder und wieder. "Endlich", dachte ich, als ich die Klinge ein letztes mal ansetzte. Plötzlich sah die Welt wieder ganz anders aus. ich blickte aus dem Fenster und ließ den kühlen Wind meine frischen Wunden streicheln. ich lächelte. ich weinte. Jetzt gehört mein Körper wieder mir allein!