Verwunschener Wald
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Ausstellung: "Gerüchte"
Museum für Kommunikation


Eine interessante Ausstellung zum Thema Gerüchte, die bereits imposant und gleichzeitig schockierend eingeleitet wird. Eine große hellblaue Wand, auf der sich eine mythologisch gesehen Hydra-ähnliche, blinde Frau, die ein Megaphon bei sich trägt und Augen wie Keimzellen oder Blütenstaub versprüht, befindet, bildet den Eingangsbereich. Dabei steht die Hydra für die Medien- und Informationsgesellschaft und die Gerüchte, die sich aus ihr entwickeln, denn wenn man der Hydra den Kopf abschlägt, wachsen dafür zwei neue Köpfe nach. Ganz ähnlich verhält es sich heutzutage mit der Medienlandschaft: Überall schnappt man Teile eines Gesprächs auf oder sieht eine Szene ohne Zusammenhang und erschließt sich daraus ein von Halbwahrheiten zersetztes Gesamtbild. Das wird auch an diesem Eingangsbild deutlich: Die Frau, die körperlich gesehen blind ist, sendet Augen in alle Richtungen, sodass überall etwas aufgeschnappt werden kann, sie selbst hat aber nichts gesehen und kann sich deswegen kein eigenes Bild von der Situation machen.



Betritt man nun die Ausstellung, so wird man zunächst von einem riesigen, netzartigen, grünen Gebilde empfangen. Auf den ersten Blick wirkt dieses Netz absolut chaotisch und man selbst fühlt sich erschlagen von der Größe und den Ausmaßen dieses Gebildes.



Bei genauerer Betrachtung finden sich in diesem Netz jede Menge Gerüchte oder Halbwahrheiten aus verschiedensten Bereichen, die sowohl künstlerisch als auch mit einem Informationstext dargestellt werden.
Nach einer Weile wirkt das Netz wie ein großer Gerüchtewald in dem man sich zu verlaufen droht, weil überall wieder neue Äste auftauchen.
Man könnte sagen, die Grenzen verschwimmen, man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, kann nicht mehr unterscheiden, was Gerücht und was Wahrheit oder Fakt ist. Dies verstärkt sich auch noch, wenn man den nächsten Raum betritt, in dem sich ebenfalls ein solcher Gerüchtewald erstreckt.





Besonders interessant in diesem Netz fand ich persönlich das Werk „Sündenböcke“, in dem viele kleine Bilder von Personen abgebildet waren - bei der Betrachtung der Bilder in Gesamtheit ergaben diese einen Teufel oder auch einen großen, furchteinflößend aussehenden Sündenbock.

Der Informationstext dazu lautet:
„Früher wurden für Krankheiten, Missernten und anderes Leid oft sozial schwache Mitglieder der Gemeinschaft verantwortlich gemacht. Als Schuldige eigneten sich besonders Mitmenschen, über die bereits Gerüchte und Vorurteile kursierten. Die Verdächtigungen zogen neue, bösartige Gerüchte nach sich. Am Ende des Teufelskreises standen oft Verbannung oder Todesurteil.
Auch heute sind bei komplexen Problemen rasch Sündenböcke benannt. Vorverurteilungen in den Medien, verbale Attacken, und körperliche Übergriffe können die Folge sein.“



Ebenfalls interessant war ein Glaskasten, in dem man einen Menschen in Miniaturansicht an einem Tisch sitzen sah. Dieser konnte auch die Besucher sehen und hat sie angesprochen, sobald sie vorbei kamen. Er hat mit ihnen geredet, wollte möglichst viel über die Personen wissen und hat dann versucht ihnen ihre eigenen Aussagen im Munde zu verdrehen. Eine insgesamt sehr schöne Veranschaulichung, wie schnell so etwas gehen kann.

Schade nur, dass ...



Leider zog sich sowas durch die gesamte Ausstellung, aber irgendeinen Haken musste das ganze ja haben. Zumindest war es wichtig genug, um erwähnt zu werden, um es mal positiv zu sehen

Die Ausstellung gibt es noch bis zum 27. Februar 2011 im Museum für Kommunikation.

Liebste Grüße,
Mania
13.1.11 20:47
 


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